Eigenverwaltung: Effektive Wege aus der Krise

Ein Eigenverwaltungsverfahren bietet Unternehmen gute Sanierungschancen

D√ľsseldorf. Das ‚ÄěGesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen‚Äú (ESUG) stellt Unternehmen ein effektives Verfahren zur Krisenbew√§ltigung bereit.

Jedes Jahr beantragen in Deutschland rund 20 000 Unternehmen ein Insolvenzverfahren. Damit werden regelm√§√üig Werte zwischen 20 und 40 Milliarden Euro und mehr als 100 000 Arbeitspl√§tze vernichtet. Dabei w√§ren tausende insolvenzgef√§hrdete Unternehmen zu retten, wenn sich die Verantwortlichen rechtzeitig mit einer Sanierung unter Insolvenzschutz auseinandersetzen w√ľrden. Allerdings meiden viele Unternehmen ein gerichtliches Verfahren und melden erst Insolvenz an, wenn auch die letzten finanziellen Reserven ersch√∂pft sind. Gleichzeitig verschleppen Untersuchungen zu Folge rund zwei Drittel der Gesch√§ftsf√ľhrer die Insolvenz um fast ein Jahr, versto√üen damit gegen geltendes Recht und machen sich sogar strafbar. An der Stelle k√∂nnten Insolvenzverschleppungssch√§den von fast drei bis f√ľnf Milliarden Euro j√§hrlich vermieden werden. Hier setzt das ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) an. Mit diesem Gesetz will der Gesetzgeber die Stigmatisierung der Insolvenz √ľberwinden und Unternehmen in einer Krisensituation den Weg ebnen, sich √ľber eine Insolvenz zu sanieren.

Rund 1300 Unternehmer haben seither ein Eigenverwaltungsverfahren im Rahmen des ESUG genutzt. Das Potenzial ist jedoch fast dreimal so hoch. Hinderungsgrund bleibt weiterhin das Stigma der Insolvenz sowie mangelnde Kenntnis √ľber die M√∂glichkeiten eines Eigenverwaltungsverfahrens. Daher z√∂gert die √ľberwiegende Zahl der Betroffenen zu lange, sich mit der Insolvenz als Sanierungschance zu besch√§ftigen. Im Eigenverwaltungsverfahren erhalten Unternehmer eine realistische Chance, Arbeitspl√§tze zu erhalten, Know-how zu sichern und die Firma zu retten. Am Ende des Verfahrens steht ein Sanierungsplan, der die Entschuldung des Unternehmens sowie die Befriedigung gesicherter und ungesicherter Gl√§ubiger regelt. Diesem Plan m√ľssen die Gl√§ubiger zustimmen.

Das ESUG er√∂ffnet betroffenen Unternehmern eine Vielzahl von M√∂glichkeiten, Liquidit√§t zu generieren, die sie f√ľr die Sanierung ben√∂tigen. L√∂hne und Geh√§lter werden bis zu drei Monaten als Insolvenzgeld aus einem Topf gezahlt, der allein aus Arbeitgeberbeitr√§gen gef√ľllt wird. W√§hrend des zumeist dreimonatigen vorl√§ufigen Verfahrens zahlen betroffene Unternehmen im Ergebnis weder die Umsatzsteuerzahllast noch Lohnsteuer oder sonstige Steuern. Weiterhin k√∂nnen sie sich von zu teuren Liefer- und Mietvertr√§gen und verlustreichen Kundenauftr√§gen befreien. Wie im Regelinsolvenzverfahren m√ľssen und d√ľrfen Rechnungen, die bis zur Antragstellung noch offen sind, nicht mehr gezahlt werden. Die ungesicherten Gl√§ubiger erhalten einen geringen Teil ihrer Forderungen erstattet. Der Rest der Forderungen gilt als erlassen. Diese gesetzlich geregelten Anreize sollen Unternehmen bewegen, m√∂glichst fr√ľhzeitig eine Insolvenz als Sanierungsoption ins Auge zu fassen. Das dient dem Erhalt von Arbeitspl√§tzen sowie von Kunden- und Lieferantenbeziehungen der St√§rkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland.Insgesamt nutzten im vergangenen Jahr etwa 250 insolvenzgef√§hrdete Unternehmen diese Option zur Sanierung. Das ist gar nicht so wenig, denn von den knapp 20 000 Unternehmensinsolvenzen eignen sich allenfalls 500 bis 600 f√ľr ein solches Verfahren. Von den einhundert gr√∂√üten von einer Insolvenz betroffenen Unternehmen nutzen fast 70 Prozent das Eigenverwaltungsverfahren als Sanierungsinstrument. Unternehmen in einer Krisensituation, die noch ausreichend Liquidit√§t besitzen, um die Verfahrenskosten zu finanzieren und ein belastbares operatives Sanierungskonzept umsetzen, k√∂nnen in der Eigenverwaltung im Einklang mit den Gl√§ubigern ihr Unternehmen wieder wettbewerbs- und marktf√§hig aufstellen.

Robert Buchalik ist Rechtsanwalt seit 1983 und Gesch√§ftsf√ľhrer der Wirtschaftskanzlei und des Beratungsunternehmens Buchalik Br√∂mmekamp aus D√ľsseldorf, sowie Vorsitzender des Bundesverbandes ESUG und Sanierung. Buchalik Br√∂mmekamp hat seit Inkrafttreten des ESUG in 2012 rund 140 Unternehmen durch eine Eigenverwaltung begleitet (www.buchalik-broemmekamp.de).

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